Mittelalter
Der „Bamberger Reiter" ist kunstgeschichtlich der erste Reiter in Lebensgröße in der abendländischen Kunst (um 1240) und wohl eines der bekanntesten deutschen Kunstwerke. Zwei Gründe dürfte diese Berühmtheit und Volkstümlichkeit haben: Der erste kann im Adel der Darstellung gesehen werden:
Kein Ritter in Rüstung und Waffen, sondern eine Art Parzivalgestalt, ein nach dem Heil Ausspähender. Und andererseits die immer wiederholte Frage, wer dieser Ritter im Dom sein könnte. Diese Frage ist kaum beantwortbar. Wir dürfen jedoch sagen - ob vom Künstler gewollt oder nicht -, das Kunstwerk versinnbildlicht das Ideal ritterlicher Gesinnung. Um mit den Worten der Zeit zu sprechen (Meister Ekkehard) : „Lauter und adelig leben, das ist das Höchste." Es ist das großartige Standbild des „christlichen Ritters". Der große Bogen ist hier gespannt: „Gott behalten und die Welt gewinnen."(W.Steinert, Der Bamberger Dom. Langewiesche-Bücherei. Königstein Taunus o.J.)
"du nennest ritter: waz ist daz?"
Das Ideal des Ritters findet sich in der Literatur vor allem im höfischen Roman, in der hochhöfischen Epik der Stauferzeit, in der mit der Artusepik das idealisierte Bild eines Ritters entworfen wird. In der Epik Hartmanns und Wolframs werden die Helden aus der Wirklichkeit heraus in eine Welt der Tafelrunde oder des Grals gehoben. In ihren aventiuren durchlaufen sie einen Prozess der Läuterung, in dem sie ihre êre wiederherstellen und somit zum Vorbild einer ritterlichen Gesellschaft werden sollen. Die Tafelrunde und Gralsgesellschaft sind Gegenentwürfe zur realen Gesellschaft.
Qualitäten und Tugenden, die ein Ritter haben sollte, werden in der Literatur oft in Form des belehrenden Gespräches entfaltet:
Wolfram von Eschenbach: Parzival (III Buch 170, 10 ff)
der wirt sprach zem gaste sîn «ir redet als ein kindelîn. sus heb ich an: lât iuch gezemen. unde in gein der helle wîset. ir tragt geschickede unde schîn, iuch sol erbarmen nôtec her: wol mit schame ringen kan (daz ist ein unsüez arbeit): im ist noch wirs dan den die gênt
| daz ist niht hêrlîcher muot: daz ir râtes dürftic sît: reht als jenes vrâgen stê, lât derbärme bî der vrävel sîn. die nemt, und lâzet in genesn. ir müezet dicke wâpen tragn: sô wert ir minneclîch gevar: daz tiwert junges mannes lîp. |
Hartmann von Aue, Gregorius (243 ff)
Er nam sie beidiu bî der hant, er sprach: sun nû wis gemant daz dû behaltest mêre die jungisten lêre die dir dîn vater tæte. wis getriuwe,wis stæte, wis milte, wis diemüete, wis vrävele mit güete,
| wis dîner zuht wol behuot, den herren starc, den armen guot. die dînen soltû êren, die vremeden zuo dir kêren. wis den wîsen gerne bî, vliuch den tumben swâ er sî. vor allen dingen minne got, rihte wol durch sîn gebot.
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Zum geschichtlichen Hintergrund der Epoche gibt es bei Wikipedia einen kurzen Überblick.
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